Tagebuch
Mein Vater starb mit 52 Jahren an Lungenkrebs. Das ist sehr grausam, mitzuerleben wie ein starker Mann so hilflos und weinend da liegt und niemand ihm helfen kann. Er weinte, weil er Angst hatte, aber es gab kein zurück mehr!!! In seinen Augen konnte ich nur die große Angst und diese Hilflosigkeit sehen.

Du siehst deinen Vater auf der Intensivstation liegen, du siehst und hörst, wie die Maschinen deinen Vater künstliches Leben in seinen Körper haucht. Auf und ab im Takt der Maschine bewegt sich der leblos wirkende Körper. Du stehst dort vor dem Bett und kannst nicht fassen, was du siehst, du willst es nicht wahr haben, was dort geschieht.
Dein Vater liegt dort vor dir und du begreifst nicht was passiert, du musst dich sammeln und aufpassen nicht jeden Moment umzukippen. Erst dann wird dir bewusst, wie Ernst die Lage ist, aber es ist zu spät … einfach zu spät!

Ein Versprechen musste ich meinem Vater geben, dass ich mit dem rauchen aufhöre. Zwei Jahre habe ich gebraucht um verstehen, was Lungenkrebs verursachen kann, wie mächtig diese Krankheit und wie schwach ein Mensch ist. Jeden Tag sagte ich mir, dass ich Aufhören „muss“.
An diesem Wort wird es scheitern:
„MUSS“!
Info: Vor dem Tod meines Vaters rauchte ich ca. 50 Zigaretten, zwei Jahre später, also fast begleitend zum Rauchstopp hatte ich die Anzahl auf 25 reduziert.
Durch Zufall klickte ich auf einen Link mit dem Titel: „Jetzt höre ich mit dem Rauchen auf.“ Beim näherem betrachten der Seite wurde mein Interesse wieder geweckt mit dem rauchen aufzuhören. Besonderes Interesse schenkte ich den Krankheitsbildern, wie heftig, mir schoss nur noch ein Gedanke durch den Kopf: „Warum rauche ich?“
„Der Wille“!
Ich will nicht mehr rauchen, ich will Nichtraucher werden!
- Schluss mit dem Bluthochdruckproblem,
- Schluss mit der ständigen Angst an Lungenkrebs zu verenden,
- Schluss damit Geld aus dem Fenster zu werfen.
Morgen werde ich in die Apotheke gehen und mir Nikotinkaugummis besorgen. Dann werde ich mir einen Vorrat an Möhren zulegen und einen Kasten Wasser holen, weil das den Körper entgiften soll. Vielleicht werde ich auch einen Arzt aufsuchen.
„Tag X rückt näher"!
Dann kann ich nur noch hoffen, dass viele Raucher dies Tagebuch lesen werden. Dass meine Zeilen sie dazu ermutigen, das Rauchen aufzugeben. Es ist eine Sucht, von der sich jeder lösen sollte.
Montag 02.Mai 2oo2, 0. Tag!
Habe heute den Versuch wieder auf Eis gelegt. Wollte mir mentale Unterstützung holen, und habe meine Ex-Frau angerufen. Aber das war keine gute Idee, da sie mich absolut runter gezogen hat.
Aber so unerfreulich sehe ich das nicht, auf ein paar Tage mehr oder weniger wird es wohl nicht ankommen. Wichtig ist mir, dass ich in diesem Jahr aufhören will. Morgen werde ich mich über die Preise informieren, da ich Nikotinpflaster + Kaugummis kombinieren will. Irgendwie habe ich noch viel zu viel Angst vor dem Aufhören.
Freitag 19.Dezember 2002, 0. Tag!
Ach ne, habe beim Aufräumen des Rechners mein Nichtraucher-Tagebuch entdeckt. Mit meinem Gedanken das Rauchen aufzuhören bin ich immer noch kein Stück weiter. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, vorher einen Arzt aufzusuchen um, mit ärztlicher Hilfe dieser dunklen Sucht gegenüberzutreten. Immer noch habe ich viel zu viel Respekt vor dem Aufhören!
Momentan absolviere ich mit großem Interesse, eine Weiterbildungsmaßnahme zum IT-Systemkaufmann und bin froh, dass Morgen der letzte Tag vor dem zweiwöchigen Urlaub ist. Lernen, lernen und lernen, soviel Neues in den letzten vier Monaten.

Dienstag 15.Juli 2003, 1. Tag!
Nun habe ich mich endlich entschieden, den Weg zum Nichtraucher. Meine Vorbereitungszeit war gut, bin motiviert, um mein Entzug nun umzusetzen.
So ein Tag geht doch schnell um, wo soll das “Problem” sein durchzuhalten?
Bin sehr nervös, fast hyperaktiv … bin sehr motiviert und guter Dinge. Seit zwei Stunden nun kaue ich auf einen Nikotinkaugummi rum und habe ab und zu mal das verlangen eine Zigarette anzustecken. Aber dann gehe ich auf die Terrasse und hole tief Luft und die Gedanken sind frei von den Nikotinwünschen.
Nun bin ich seit 1o Stunden rauchfrei … das ist für einen Suchtkopf wie mir eine sehr gute Leistung. Früher habe ich es nicht geschafft, eine Stunde ohne Nikotin auszuhalten. Bin grade vom Inlinern zurück … bin ca. 12 Kilometer gefahren.
Wenn dass so weitergeht, kann ich nicht klagen, ich habe mir den Entzug viel schlimmer vorgestellt.
Mittwoch 16.Juli 2003, 2. Tag!
So, die Nacht ist um und auf meinen gewohnten morgendlichen Kaffee will ich nicht verzichten. Bis jetzt geht es mir immer noch sehr gut und ein Verlangen nach der gefährlichen morgendlichen Zigarette beim Kaffee, konnte ich durch aktive Teilnahme der Foren sehr gut überspielen.
Heute habe ich schon öfters das Gefühl gehabt etwas zu vermissen, dann schwitze ich ohne ersichtlichen Grund, aber ansonsten geht es mir sehr gut. Ich frage mich, warum ich es damals nicht geschafft habe, auszuhalten. Es macht Spass an die Zukunft zu denken, eine Zukunft ohne Glimmstängel.
Nun kämpfe ich doch schon viel mehr gegen die Sucht an, aber ich halte mir mein Ziel vor Augen, das macht stark!

Heute war ein Kollege zu Besuch, er ist Raucher! Ich wollte es wissen und habe mich vor ihm gesetzt, um mir anzuschauen, wie er raucht und ich wollte natürlich wissen ob mich die Nikotindämpfe dazu bewegen können mir auch wieder eine anzustecken. Also, komisch und verlockend war das ja schon diese schöne Schachtel Lucky dort liegen zu sehen, aber ich bin eisern geblieben. Gott sei Dank. Vielleicht habe ich deswegen nun auch solche heftigen Suchtattacken, ich weiß es nicht.
Ich habe mir heute ein Weizenglas demonstrativ in Augenhöhe auf meinen Schrank gestellt, in diesem Glas lege ich nun täglich vier Euro rein, als Belohnung und Ansporn. Wenn es mal brenzlig wird, werde ich mir das Glas anschauen, um wieder Mut und Kraft zu tanken.
Donnerstag 17. Juli 2oo3, 3. Tag!
Seit 5.oo Uhr bin ich nun schon auf, den morgendlichen Kaffee habe ich schon getrunken und mich mit einem Strategie GAME am Computer abgelenkt. Es ist erschreckend das Ich schon so früh aufgestanden bin und hier zocke, aber ich konnte nicht mehr schlafen. Nun ist es auch schon 7.02 Uhr und ich werde mich mal um`s Frühstück kümmern. Einige Rauchattacken habe ich schon überwunden.
Habe eben mein Wohnzimmer auf den Kopf gestellt. Absolute Ablenkung vom Wesentlichen und hilfreich zugleich. Schrank von diesem Zimmer ins andere Zimmer … vom Entzug ist dabei nicht viel, zu spüren.
“Keine Langeweile aufkommen lassen”!
Gesundheitlich geht es mir schon spürbar besser, ich bin viel aktiver und müde zugleich … hoffe das pendelt sich bald mal ein. Verspannungen haben sich gelöst und mein chronischer Schnupfen ist auch wie von Geisterhand weggewischt. Bronchien sind wieder frei und das Atmen fällt mir auch wieder leichter. Wenn ich so nachdenke, bekomme ich Angst, einfach davor was ich in den ganzen Jahren meinen Körper zugemutet habe, das ist erschreckend!
Fazit für heute … es war für mich der schlimmste Tag, Mehrer Suchtattacken musste ich abwehren. Gefühlsmäßig habe ich mich gefühlt, als wenn ich drei Schachteln geraucht hätte.
Freitag 18. Juli 2oo3, 4. Tag!
Ich bin in der letzten Nacht um ca. 2.30 Uhr eingeschlafen. Das war bis dato der schlimmste Tag der Entwöhnung.
Der Morgen verlief ohne Probleme, Kaffee und keine Zigarette. Gleich werde ich mal einkaufen gehen sonst werde ich verhungern. Morgen bin ich auf einer Grillparty eingeladen, aber ich werde absagen, dafür ist es noch zu früh. Ich weiß nicht, ob ich mir das antun soll, grillen, und gute Stimmung … Alkohol. Dafür ist das Suchtverlangen noch zu groß und ich könnte keine Garantie geben, dass ich durchhalte.
Vor allem gibt es leider immer wieder Neider!
Ein Tag ohne besondere Vorkommnisse, ich bin mir sicher sagen zu können das Ich über das Schlimmste Hinweg bin …
Samstag 19. Juli 2oo3, 5. Tag!
Was gibt’s es heute zu berichten? Ich habe heute die Nikotinkaugummis verbahnt, weil ich folgenden Bericht gelesen habe:
Nicht nur der Teer in der Zigarette, sondern auch das Nikotin ist vermutlich krebserregend. Das Gift schädigt einen der Hauptabwehrmechanismen des Körpers gegen Krebs, berichten amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Inverstigation. Nikotin und daraus entstehende Stoffe aktivieren innerhalb weniger Minuten einen Mechanismus, der den programmierten Zelltod, die sogenannte Apoptose, verhindert. Das haben Philip Dennis und seine Kollegen bei Untersuchungen an Zellkulturen, an menschlichem Lungengewebe und auch an den Lungen lebender Mäuse beobachtet. Der Körper kann dadurch unkontrolliert wachsende Zellen nicht mehr gezielt absterben lassen, was die Entstehung und das Voranschreiten von Krebs fördert.
Heute ist der fünfte Tag und ich habe nie mehr als sechs Kaugummis gekaut, auch wenn der Hersteller 16 Kaugummis täglich vorschlägt.
Heute war wieder ein sehr durchwachsener Tag, hätte ich mich nicht ununterbrochen mit irgendwelchen belanglosen Dingen beschäftigt wäre ich unter die Decke gegangen. Dann habe ich mir heute so gedacht, dass ich unter anderem eine neue Webseite kreieren werde. Meine Aufgabe soll es in Zukunft seine alle Raucher zu vermitteln, dass es sich lohnt, durchzuhalten und mit dem Dreck aufzuhören.
Sonntag 20. Juli 2oo3, 6. Tag!
Bedingt dadurch, dass ich nun die Nikotinkaugummis abgesetzt habe und heute keine Kaugummis gekaut habe, war heute wieder ein suchtvoller Tag, Nikotin “forever”, *würg*. Ich kann nur hoffen das sich das langsam normalisiert.

Montag 21. Juli 2oo3, 7. Tag!
Heute war mein erster Tag, wo ich mit vielen Rauchern an einem Tisch saß. Das war eine sehr gute Prüfung, die ich meisterhaft bestanden habe. Mir ist heute sehr bewusst gewesen, wie schön es doch ist nicht mehr zu rauchen. Man bekommt eine ganz andere Denkweise gegenüber Rauchern, die einem schon länger bekannt sind.
“Wie, nun raucht er schon wieder eine!?”
Dienstag 22. Juli 2oo3, 8. Tag!
Ich wundere mich, dass ich immer noch dieses starke Suchtverlangen nach Zigaretten habe. Wann hört das endlich auf? Heute habe ich ein Weizenbier getrunken und anschließend ertappte ich mich, wie ich in die Hemdtasche greifen wollte, um eine Zigarette anzuzünden. Zum Glück fanden meine Finger dort nur zuckerfreie Kaugummis.
“Heute ist ein kleines Jubiläum für mich, eine Woche ohne blauen Dunst.“
Mittwoch 23. Juli 2oo3, 9. Tag!
Alles unverändert, ich habe immer noch mit hinterhältigen Attacken zu kämpfen. Auch wenn ich diese akzeptiere, bin ich doch immer wieder froh, wenn sie wieder vergehen. Ich sitze ohne größere Probleme bei den rauchenden Kolleginnen und Kollegen, das macht mir nicht viel aus. Aber wenn ich dann nach Feierabend in meinen Wagen sitze, würde ich mir doch immer wieder gerne eine Zigarette rauchen.
Gestern Abend hat mein Ego versucht mich im Halbschlaf zu überreden, wie ich am besten unbemerkt eine rauchen kann, ist das nicht heftig!
Donnerstag 24. Juli 2oo3, 10. Tag!

“Also – die Zigarette danach war irgendwie gemütlicher!?”
Freitag 25. Juli 2oo3, 11. Tag!
Ich bin froh das nun das Wochenende näher rückt und ich es mir absolut zu Hause gemütlich machen kann und nicht ständig dem passiv rauchen ausgesetzt bin. Darunter habe ich doch sehr stark zu leiden, anders kann ich mir nicht diese ständigen Suchtattacken erklären, die ich abends ständig bekomme. Nun verstehe ich auch, warum so viele nach ein- zwei Wochen wieder das Rauchen anfangen. Es entscheidet sich nicht, wie ich immer dachte, in den ersten zwei Tagen. Der Entwöhnungsprozess scheint eine längere Sache zu werden.
Heute habe ich meine Seele mit 500 Gr. Sahne-Vanillepudding belohnt.
Sonntag 27. Juli 2oo3, 13. Tag!
Da ich meiner Meinung nach über das Gröbste Hinweg bin, werde ich das Tagebuch hiermit beenden. Suchtattacken sind immer noch vorhanden, nun heißt es einfach sich an diese zu gewöhnen, bis die Abstände immer länger werden.
Mein nächster Schritt wird sein, ein Sportverein aufzusuchen, um die positiven Eigenschaften umzusetzen. Da freue ich mich ganz besonders drauf. Früher habe ich bei dem Gedanken Sport schon genug gehabt. Nun werde ich mindestens 3-5 Mal in der Woche einen Sportverein aufsuchen. Es lebe die Gesundheit. Ich wünsche jeden viel Glück beim Durchhalten und fordere jeden auf jetzt und heute das elende Rauchen einzustellen.
Es lohnt sich, glaubt es mir.
Donnerstag 18. September 2oo3, 66. Tag!
Ich habe eben das Tagebuch ein wenig überarbeitet und will auch ein paar Zeilen schreiben. Nun rauche ich seit 66 Tagen nicht mehr und bin von mir selber schwer beeindruckt. Hätte mir jemand vor drei Monaten mal gesagt, dass ich am 18. September 2003 hier sitze und mit vollem Stolz schreibe, dass ich Nichtraucher bin, ich hätte es nie geglaubt.
Mittlerweile habe ich mir ein Mountainbike zugelegt und fahre ziemlich oft Fahrrad, früher war ich ein Sportmuffel. Es ist verblüffend wie viel alte – neue Dinge man doch wieder entdeckt. Diese innere Ruhe, die ich seit Neustem verspüre, ist unerklärbar. So ein Ziel geschafft zu haben gibt einem so einen Batzen Selbstwertgefühl zurück, es ist einfach nur schön. Leute, hört mit dem Rauchen auf und ihr werdet mich verstehen, ehrlich.
Ich danke Gott dafür das Er mir die nötige Kraft gegeben hat.
Samstag 07. Oktober 2oo4, 451. Tag!!
Sicherlich freuen sich einige Leser darüber, wenn ich ein kurzes Statement gebe. Es ist lange her, dass ich mir Gedanken über die Raucherei gemacht habe. Nie hätte ich gedacht, wie schnell man sich an “Nichtmehrrauchen”, gewöhnen kann. Mittlerweile hat sich sogar das Gewicht wieder eingependelt. Habe wieder ein „normales“ Leben begonnen, d.h., dass keine übertriebenen Sportgedanken vorhanden sind. Die Ernährung findet auch wieder im „normalen“ Rahmen statt, keine extra Portionen – oder keine Filets mehr.
Ich lebe fast wieder so wie zu Raucherzeiten – nur dass ich eben nicht mehr rauche. Es ist ein schönes und entspanntes Leben, mit mehr Kraftreserven, mehr Leistungsaktivitäten und mehr Durchhaltevermögen, und, und, und …
